Review

Kurz:

Halb Mensch. Halb Maschine. Voll blutig. Alles für eine actiongeladene Zukunftsvision.

Lang:

Motor City Detroit war gestern. Die Stadt nennt sich nun «Robot City», auch weil die Grossfirma «Omni Consumer Products» (kurz OCP), alleinführend in Robotertechnik und dermassen umsatzstark und mächtig, nach hier Belieben schaltet und waltet.

Die privatisierte Polizei scheint die Kontrolle über die Kriminalität verloren zu haben. Die OCP-Lösung: Roboter sollen dem organisierten Verbrechen das Handwerk legen.

Der erste Prototyp aus dem OCP-Labor: Polizeiroboter ED-209 (nicht mit T-800 zu verwechseln!). Leider scheinen bei Blech-Ed nicht alle Kabel richtig verlegt worden zu sein und nach einer genial, fatalen Fehlpräsentation entscheidet sich OCP für den zweiten Versuch noch ein bisschen Menschlichkeit in Form eines zu Brei geschossenen Polizisten in den Robo-Kochtopf zu werfen. Halb Robo, halb Cop: Hallo «RoboCop».

Ein blecherner Polizeibeamter, der als Erlöser von den Toten aufersteht, um die Schwachen und Unschuldigen zu beschützen. Aber Geld und Macht regiert weiterhin die Welt in dieser fiktiven Zeit. Entsprechend merkt man alsbald, dass das Verbrechen nicht das einzige Problem ist, welche die Stadt lösen muss.

«RoboCop» zeigt eine düstere, von Gewalt geprägte Zukunft, wo ein strahlender, metallener Held einen Lichtschimmer Hoffnung verkörpert.

Brachial, fantasievoll und höchst ironisch, so der Kult-Actionfilm von Paul Verhoeven. Der Holländer legte mit diesem Mix die Messlatte extrem hoch und es gelang ihm erst Jahre später mit Starship Troopers diesen Spagat aus Horror, Sci-Fi und Gesellschaftskritik zu wiederholen.

Aber nicht nur der herrliche Blutrausch des Streifens stimuliert unsere visuellen Synapsen, sondern auch die Kulissen. Das futuristisch-urbane Setting bietet dreckige Hinterhöfe und chaotische Industriegebiete, die die erdrückende wie auch beeindruckende Grossstadt perfekt zeichnen.

Auch akustisch gefällt «RoboCop», dank dem grandiosen Score von Basil Poledouris. Die Titelmelodie beschert und noch heute Hühnerhaut.

Eye- und Ear-Candy reichen aus? Nö. Was «RoboCop» über 30 Jahre nach Release auch heute relevant und einzigartig macht, ist die überraschende Tiefe und der Intellekt des Streifens. Ist Kapitalismus die Lösung? Können Roboter die Menschen ersetzen? Und was unterscheidet den Menschen von einem Roboter? «RoboCop» mags auch mal philosophisch.

Das Drehbuch von Ed Neumeier und Michael Miner enthält viele Ansätze, die das kapitalistische System oder auch die Digitalisierung hinterfragen. Eigentlich erstaunlich, denn «RoboCop» erschien zwei Jahre vor dem allerersten Game Boy und die Kritik und Diskussionsansätze, die die Herren Neumeier/Miner (ab)lieferten, bleiben auch heute zeitgemässer denn je.

Fazit:

Ein zeitloser Klassiker, der gekonnt auf der Trash-Grenze balanciert.

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