Kurz:

Ein intergalaktisches Schmuggler-Duo schliesst sich dem Imperator der Galaxie an, um einen verschollenen Prinzen der Galaxie zu finden und dem „Evil Count Zarth Arn From The League Of The Dark Worlds“ das Handwerk zu legen.

Lang:

Nach dem Erfolg von „Star Wars – Eine neue Hoffnung“ versuchte der italienische Regisseur Luigi Cozzi (L’assassino à costretto ad uccidere ancora, Contamination) nur ein Jahr später, auch unter seinem Cowboy-Pseudonym „Lewis Coates“, mit dem Science-Fiction-Hype mitzuschwimmen und entschloss sich einen weiteren Film im Weltall-Setting zu drehen. Er würfelte dafür folgende Schauspieler zusammen:

Passt das? Passt!

Die Geschichte ist eine kuriose Anreihung von Ereignissen. Ein Beispiel gefällig? Gerne: Stella Star – der Hauptcharakter der Geschichte – entflieht einem intergalaktischen Arbeitslager durch eine blutige Rebellion. Sie wird jedoch in der nächsten Szene von den Charakteren abgeholt, welche sie überhaupt ins Lager gesendet haben. Hätte der Tod der Wachen und Lagerinsassen nicht vermieden werden können? Weitere Kostprobe: Meine Erwartung an einen Space Opera war, dass auf fremden Planeten bizarre ausserirdische Wesen anzutreffen sind. Dies ist nach meinem Empfinden die Stärke und die Faszination, die Star Wars ausmacht. Nein, nicht in diesem Film. Sie treffen auf Amazonen und Höhlenbewohner! Na ja.

Ich hatte oft den Eindruck, dass der Autor sich erst nach einer abgedrehten Szene überlegt hat, wie die Geschichte weitergehen soll. Somit ist sie vorhersehbar und gleichzeitig unvorhersehbar; der Weg der Handlung ist gradlinig und absehbar, aber man ist beispielsweise verblüfft durch unnötige Tode mancher Charaktere. Die Logik fehlt in Film wie der Sauerstoff im Weltraum.

Die ungewollte Komik und somit die grösste Stärke des Streifens liegt in den Dialogen und den flachen Charakteren. Vermeintlich tiefgründig wird über Wissenschaft und Technologie gesprochen. Man lernt beispielsweise, dass es vorprogrammierte Computer geben wird. Wer hätte das gedacht, dass mal Computer entwickelt werden, die man nicht nachprogrammieren muss! Wie genial ist das denn? Auf so eine Zukunft freu ich mich jetzt schon.

Sogar der Roboter Namens Elle ist ein lustiger texanischer Haudegen voller toller Weisheiten: „It’s nice to be turned on again.“, so der same old chauvinist robot! Deplatzierte, theatralische Monologe des Imperators runden den Film ab. Das Süsseste am ganzen Film ist jedoch wie die bösen Schergen ständig eine Feuerwehrstange runterrutschen müssen, um ins Gefecht zu gelangen.

„Scontri stellari oltre la terza dimensione“ welcher hauptsächlich in Italien gedreht wurde, beschert dem Zuschauer zahllose cineastische Déjà-Vus. Ob Flash Gordon, Ulysses oder Star Trek,… Dieser Film vermittelt dem Zuschauer ein wohliges Gefühl der Vertrautheit. Ist dieser Streifen als Hommage an Werke anderer Regisseure zu deuten? Oder ist er eine Ansammlung von mehreren kreativen Diebstählen, welcher aus Mangel an eigenem Einfallsreichtum entstanden ist? Nun, ein Jein beantwortet diese Frage am besten.

Der Film ist die meiste Zeit wunderbar farbig. Bunter als ein Ara Papagei nach dem Besuch eines indischen Holi-Festival. Zeitweise erwecken die Bilder des Films den Eindruck eines Drogenrauschs nach der Einnahme von verschiedenen Psychedelika.

Das gezeigte Weltall ist nicht leer und langweilig. Nein. Es leuchtet wie eine bunte Weihnachts-Lichterkette. Und das Ganze wird durch etliche rauchige und knallende Böller erhellt, welche versuchen sich als glaubwürdige Spezialeffekte zu präsentieren. Epileptiker seien gewarnt! Die Stop-Motion-Technik in den Filmen der 50er Jahren empfinde ich als raffinierter und realistischer als in „Starcrarsh“.

Die Geräuschkulisse zieht die ganze Aufmerksamkeit auf sich, so dass die Filmmusik in den Hintergrund gedrängt wird: Das Zirpen der Bedienungselemente des Cockpits, das „Swoosh“ der Raumschiffe und das „Peew-Peew“ der Laser-Feuerwaffen. Alles da! Und das Lichtschwert? Klar muss in diesem Film ein Laserschwert auftauchen! Es hört sich wie eine Peitsche an, die sich beim Auftreffen zischend entlädt. Wow!

Das dargestellte Design einer möglichen Zukunft, wird direkt aus dem Zeitgeist der siebziger Jahre abgeleitet. Die Möbel sind meist kantenlos, glänzend, ein wenig steril und aus Kunststoff. Und die Klamotten sind an die Antike angelehnt und werden wild vermischt: Glam-Rock– und Latex-Kostüme lassen grüssen. Und wenn schon Caroline Munro die Hauptrolle spielt, liegt es nah, dass man sie in jeder Szene in ein anderes, natürlich hautenges Kostüm steckt. Folgende Zauberformel galt es wohl einzuhalten: hohe Hacken und bauchfrei muss das Kleid sein. Ein Fest für alle pubertierenden, männlichen Sci-Fi-Fans.

Zuletzt muss erwähnt werden, dass sich der Film aus einem riesigen Wirrwarr an Schnitten zusammensetzt, welche eindeutig mehr irritieren, als dass sie dem Film eine Struktur verleihen. Mal sind es lange und uninteressante Aufnahmen von Spaziergängen durch kargen Landschaften zu sehen. Oder auf der anderen Seite werden die Schlacht- und Kampfszenen unglaublich kurz geschnitten, so dass man gar nicht weiss, was da passiert. Bei manchen Szenen, wie beispielsweise den Explosionen der Raumschiffe, die von zu endlos vielen Blickwinkeln aufgenommen wurden, verlor sich meine Aufmerksamkeit in die unendlichen Weiten des Alls.

Fazit

Diese preiswertere Produktion von Star Wars macht Spass. „Starcrash“ hat mich mit seinem Sammelsurium an Farben, Ungereimtheiten und Sinnfreiheiten unfreiwillig unterhalten. Ich empfehle jedem den Film zu sehen, der wissen will, ob die Heldin überhaupt eine aktive Rolle in der Geschichte einnimmt und wie Torpedos in der Zukunft umfunktioniert werden.

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The Best Worst

 

Starcrash - The Hoff

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One thought on “Rezension: Starcrash (1978)

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