Kurz:

Star-Lord trifft gemeinsam mit seinen intergalaktischen Mitstreitern seinen Vater.

Lang:

Mit „Guardians of the Galaxy Vol. 2“ legt Regisseur James Gunn die erste Fortsetzung in seiner Vita vor. Dass sich der einstige Troma-Zögling im Hollywood-Geschäft einnisten wird, stellt bei näherer Betrachtung keine grosse Überraschung dar. Gunn vermischt skurrile Geschichten mit sarkastischem Humor und versprüht einen eigenen Charm mit Herz für Aussenseiter. Genau der geeignete Mann für die „Guardians“.

Da sich die Marvel-Produktionen an ein jüngeres Publikum richten, muss Gunn drastische Gewalt und deftige Dialoge zurückhalten. Beim ersten „Guardians“ war die Einschränkung ersichtlich und sein eigener Stil verwässert. Dem Erfolg an der Kinokasse hat das nicht geschadet. Über 700 Millionen Dollar wurden weltweit eingefahren und die Kritiker waren begeistert. Klar, dass die Studiobosse grünes Licht für weiteres Material gaben.

Für den zweiten Teil erhielt Gunn sichtbar mehr künstlerische Freiheit. Zwar übertrifft er den Vorgänger in fast allen Belangen, stellt sich mit einigen aufgesetzten Einlagen jedoch ab und zu selbst ein Bein.

Der Film beginnt holprig. Nach einem bemüht auf niedlich getrimmten Vorspann, wähnt man sich in einer schlechten Komödie, statt in einem bombastischen Science-Fiction-Streifen. Bei den Dialogen zwischen Star-Lord (Chris Pratt), Gamora (Zoe Saldana) und Rocket Racoon (im Original gesprochen von Bradley Cooper) scheint es so, als ob das Lachen vom Band wie aus einer Sitcom jederzeit aufheulen könnte. Das ist fast so übel wie die dämlichen Sprüche aus „Thor: The Dark World“. Ähnlich gestelzt wirkt auch das Schauspiel. Generell agieren die Titelhelden diesmal eher nervig als sympathisch. Gespräche, welche mehrheitlich aus gegenseitigem Anbrüllen bestehen, sind kein gutes Mittel für eine Charakterzeichnung.

Dafür sind die Nebenfiguren die heimlichen Stars. Sobald diese auftauchen, lockert sich die anfängliche Verkrampftheit und der Spass beginnt. Yondu (Michael Rooker), Nebula (Karen Gillan), Mantis (Pom Klementieff) und Ego (Kurt Russell) erhalten ihre Momente. Witzig sind zum Beispiel die Unterhaltungen über Schönheitsideale zwischen Mantis und Drax (Dave Bautista) oder die Reaktionen von Nebula auf die Streitereien der Guardians. Kurt Russell verkörpert die Vaterfigur mit sichtlicher Freude. Yondu ist erneut ein kerniger Typ und glänzt mit trockenen Sprüchen. Leider übertreibt man es gegen Ende mit der Coolness und dem Humor aus der Mottenkiste. So sind zum Beispiel minutenlange Gags über das Drücken auf den roten Knopf einfach zu abgedroschen.

Es kracht und holpert im Dauertakt. Zahlreiche bunte Farben dominieren den Bildschirm. Das Ganze ist vergleichbar mit einem Besuch im Süssigkeitenladen. Zuerst stopft man die Taschen voll, nach dem Verzehr folgen dann die Bauchschmerzen.

Dem Rambazamba steht ein überraschend ruhiges und melancholisches Ende gegenüber. Der humoristische Unterton macht Platz für emotionale Momente. Daran darf die kommende Fortsetzung gerne anknüpfen.

 

Fazit:

„Guardians of the Galaxy Vol. 2“ ist unterhaltsam, setzt aber zu fest auf Spektakel und Humor. Ja, das lässt sich im Grunde auf fast alle Werke aus dem „Marvel Cinematic Universe“ ummünzen. Aber die werden diesmal in Bezug auf Kreativität locker übertroffen. Was auf der Leinwand abgeht ist ein Augenschmaus. Leider wirkt das Dauerfeuer an Explosionen und Sprüchen nach einer Weile ermüdend.

Als Comic-affiner Mensch freuen mich die zahlreichen Anspielungen und Gastauftritte von unbekannteren Figuren. Auch viele der neu eingeführten Verbündeten und Antagonisten überzeugen. Der mit viel Tamtam angekündigte Soundtrack wird nur an wenigen Stellen überzeugend eingesetzt. An der Qualität der ausgewählten Songs gibt es hingegen wenig zu meckern. Vorfreude auf weitere Weltraumabenteuer besteht. Eine Verfilmung von „Howard the Duck“ mit Gunn auf dem Regiestuhl wäre mir dennoch lieber.

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